Symbole – wozu sie dienen und wie ich sie für meine Zwecke entwickle

Über Symbole gibt es so viel Literatur und je länger ich mich damit beschäftige, desto spannender und vielschichtiger wird das Thema für mich. In diesem Beitrag werde ich mich auf zwei mir besonders wichtige Aspekte von Symbolen beschränken:

  1. Symbole sind wie eine Art Geheimcode, der nur Eingeweihten verständlich ist.
  2. Symbole fassen kurz und prägnant Worte und sogar ganze Sätze zusammen, die ich gebrauche, um schnell zu kommunizieren.

Symbole können ebenso als Geheimcode wie auch als Vereinfachung dienen

Auf den ersten Blick erscheinen diese zwei Aspekte von Symbolen wie ein Widerspruch. Bei genauerer Betrachtung aber, zeigen sich hier nur zwei der vielfältigen Facetten. Was bedeutet es genau, dass Symbole wie ein Geheimcode funktionieren? Genauso wie es in bestimmten Gruppen Fachsprachen mit einem ausgeprägten Fachvokabular gibt, werden hier auch spezifische Fachsymbole genutzt. Als Teil der Gruppe verstehe ich sie sofort, für alle anderen bleiben sie unverständlich. Mit dieser Art von Geheimcode grenze ich mich von der Masse ab und manifestiere meine Zugehörigkeit zu einer Fachgruppe. Beispiele dafür lassen sich in den unterschiedlichsten Bereichen finden: Kollegen anderer Fachbereiche, die zufällig vorbeischauen, haben keine Ahnung, wovon gerade gesprochen wird, Patienten lassen sich von dem Fachwissen ihrer Ärzte einschüchtern etc. Das klingt nicht gerade nach Augenhöhe und hier dienen Symbole auch nicht wirklich dazu komplexe Sachverhalte allgemeinverständlich zu veranschaulichen. Bildelemente oder Symbole können die Fachsprache aber auch relativieren und verständlicher machen, wie es heute in Kliniken häufig geschieht, wenn Ärzte Krankheiten oder Behandlungsmethoden verstehbar erläutern.

Wenn es einer Gruppe darum geht, intern zu kommunizieren und dafür auch Symbole nutzt, zeigt sich der zweite, mir so wichtige Aspekt von Symbolen. Symbole können die Kommunikation schnell und einfach gestalten. Wenn wir mit Symbolen arbeiten und diese entwickeln, ist es wichtig, dass wir die Zielgruppe, die Leser des Symbols kennen.

Hier ein Beispiel, das zeigt, was ich damit meine: Das Wort „Resilienz“:

  • Die Fähigkeit nach einer Belastung in den Ausgangszustand zurück zu kehren. (Materialforschung)
  • Die Fähigkeit nach einer Belastung seine Funktion weiterhin zu erfüllen. (Katastrophenschutz)
  • Die Fähigkeit psychische Belastungen zu bewältigen. (Psychologie)

Und viele Fachgebiete mehr benutzen dasselbe Wort. Ich greife hier nur das Materialingenieurswesen heraus und die Psychologie. Gerade diese beiden Menschengruppen haben selten miteinander zu tun. Wenn sie in einem Vortrag aufeinandertreffen, sollte ich darauf achten, dass mich beide Gruppen verstehen.

Dieses Bild zeigt einenTeststreifen.Er wird in eine Zerreißmaschine geklemmt und dort Zugkräften ausgesetzt um seine Elastizität zu testen. Jede(r) Materialforscherin und IngenieurIn ist mit dieser Form vertraut und erkennt sofort ihren Sinn und Zweck. Im Kontext eines Vortrages über Resilienz ein klares, verständliches Symbol.

Der Bambus ist ein Gewächs mit hoher Widerstandskraft gegen Temperaturen, Wind und Wetter. Wer je einen wuchernden Bambus im Garten hatte weiß, wie unzerstörbar er ist. In vielen Ausbildungen von Psychologen, Psychiatern und Coaches wird diese Pflanze als Metapher und Symbol eingesetzt.

Egal, welche der beiden Gruppen vor mir steht, präsentiere ich das falsche Symbol, um mir das Schreiben des Wortes Resilienz zu sparen, ich werde nur große Augen und Unverständnis ernten.

Doch wie entwickele ich das richtige Symbol für meine Arbeit?

In meinen Workshops fordere ich die Teilnehmer nie auf, direkt zu zeichnen. Wir gehen immer in drei Schritten vor:

Auf ein Blatt Papier werden 3 Spalten gezogen. In die erste Spalte kommt die Anforderung, also das Wort, zu dem ein Symbol entwickelt werden soll. In die zweite Spalte kommen alle Assoziationen, die uns zu diesem Wort einfallen. Umformulierungen, Metaphern und einfach mal „Thesaurus“ im Internet befragen, hilft hier oft sehr. Erst in die dritte Spalte zeichnen wir Symbolentwürfe. Die Aufgabenstellung erzeugt immer wieder eine erstaunliche Menge an Lösungen. Besonders dann, wenn die Gruppen zwischen 4 und 5 Personen groß sind, sprudelt die Kreativität plötzlich los. Die Symbole sind zum Teil sehr unterschiedlich und doch funktionieren sie, wenn wir auf die Zielgruppe schauen und den Kontext in dem sie eingesetzt werden sollen.

Warum ich für selbst gezeichnete Symbole plädiere?

Die Bildersuche im Internet ist eine großartige Sache. Selten finden wir aber genau die richtige Größe, Farbe, etc. und schon verlieren wir uns im Strudel der Möglichkeiten. Wenn ich schon einmal weiß, was ich suche, finde ich es schneller.  Und wenn ich es gefunden habe – kaufe ich es dann? Datenschutz, Bildrechte respektieren, sollte für uns alle selbstverständlich sein. Also zeichnen und skribbeln Sie selbst. Das Handgemachte wird die Aufmerksamkeit Ihrer Zuschauer sowieso viel stärker binden, als irgendein heruntergeladenes Hochglanzbild.

Viel Spaß und probieren Sie die Drei-Spalten-Übung einfach mal aus. Erst fühlt sich das vielleicht zäh und sperrig an, dann kommen die Gedanken aber auf Touren und es fließt einfach so. Das garantiere ich Ihnen. Viel Spaß und Erfolg beim Skribbeln und Experimentieren wünscht ….

Martina Lauterjung

Von |2018-07-06T00:33:50+00:0004.Juli.2018|Kategorien: agile coaching, Visualisierung|Tags: , , , |