Vor kurzem schickte mir eine Freundin ein Bild: Auf einer Tafelzeichnung war ein kleiner Kreis zu erkennen, der mit „Your comfort zone“ beschriftet war. Ein zweiter, viel größerer Kreis daneben trug die Beschriftung: „Where the magic happens“. Die Botschaft: Verlasse deine Komfortzone, um dahin zu gelangen, wo es wirklich spannend wird. Das Verlassen der Komfortzone gilt als fundamentaler und unumgänglicher Schritt, um berufliche und private Veränderungen in Gang zu bekommen.

„Das soll meine Komfortzone sein?“

Der Begriff Komfortzone suggeriert ein gemütliches und konfliktfreies Leben. Eine kuschelige Sofalandschaft: Fingerfood und Cocktails umsonst! Warum sollte man daran etwas ändern? Für die Bewohner der Komfortzone sieht es allerdings oft anders aus. Permanenter Stress, Unzufriedenheit, Langeweile oder Überforderung können ihr Leben bestimmen. Wo soll da der Komfort sein?
Der Komfort besteht darin, dass man immer alles weiter so machen kann, wie bisher. Festhalten an Gewohnheiten, Ansichten und Erwartungen. Auch wenn der aktuelle Zustand schlimm ist, könnte doch das, was nach Veränderungen kommt, noch viel schlimmer sein. Am Hergebrachten festzuhalten scheint ungleich komfortabler als das Unbekannte zu sein. Menschen in toxischen Arbeitsverhältnissen am Rande des Burnouts müssen sich demnach aus ihrer „Komfortzone“ bewegen. Das mag für den Betroffenen unmöglich klingen, da fast keine Energie zum Vorwärtskommen mehr da ist.

Komfortzone verlassen, um eigene Werte zu finden

Also raus aus der Komfortzone. Aber wohin? Nur von wo weg zu wollen ist selten eine gute Lösung. Vielleicht ist die Frage „Was ist mir wichtig?“ zielführend. Tue ich das, was mir entspricht? Welche persönlichen Werte habe ich und wie unterscheiden sie sich von den Unternehmenswerten? Gibt es einen Unterschied zwischen propagierten und gelebten Werten? Das Erkennen und Streben nach persönlichen Werten kann richtungsweisend für notwendige Veränderungen sein.

Komfortzone verlassen als Schritt im Change Management

Viele fühlen sich nur dann in ihrer Komfortzone wohl, wenn sie glauben, alles kontrollieren zu können. Der Gedanke, Risiken zu vermindern, indem man Kontrolle abgibt, scheint gefährlich und widersinnig. Viele Anforderungen an moderne Organisationen sind aber zu komplex, um sie mit den bekannten hierarchischen Methoden zu lösen. Für Führungskräfte, die in ihrer Organisation eine agile Transformation mitmachen oder gar mitgestalten sollen, kann das erschreckend sein: Plötzlich sollen sie Halbfertiges frühzeitig der öffentlichen Kritik aussetzen. Alle jahrelang erprobten Methoden des Projektmanagements sollen auf einmal nicht mehr gelten. Dass sich viele fühlen, als würden sie aus dem Paradies vertrieben werden, kann man leicht nachvollziehen. Hier gehört die Komforzone zu einem Verhalten, das scheinbar immer zum Erfolg geführt hat.

 

 

Sich auf den Weg machen

„Wege zum Erfolg“ ist eine Talkshow von Rhein-Main TVin dem sich Experten über Erfolgsfaktoren und Strategien austauschen. Unser Gründer Thorsten Heintke nahm als Gast in der Sendung vom 16.03.2019 teil. Diese Sendung hat mich zu diesem Artikel angeregt. Das Video ist ein kleiner Ausschnitt, die ganze Sendung findet ihr hier.

Der Autor

Klaus Troche ist Agile Coach, Scrum Master und überzeugter Change Agent. Mit seiner ruhigen und entspannten Art begleitet er Teams bei ihren Veränderungsprozessen zielorientiert und immer auf Augenhöhe. Diese Ruhe trainiert er insbesondere beim Klettern und Bouldern.