Wenn man sich im Scrum Guide das Scrum Framework anschaut, kann man sich schnell fragen: „Wozu eigentlich einen Scrum Master?“ Die dort beschriebenen Aufgaben scheinen kaum eine ganze Stelle zu rechtfertigen: Täglich 15 Minuten Daily Scrum, alle zwei Wochen Planning, Review und Retro moderieren.

Von sich selber lernen

Tatsächlich verzichten auch viele Organisationen auf den Scrum Master oder übertragen die Aufgaben an jemanden, der das nebenbei macht. Nach unseren Erfahrungen kommt da kein gutes Scrum raus. Einige Verbesserungen werden vielleicht beobachtet, aber das volle Potenzial wird nicht ausgeschöpft.

Woran liegt das?

Erinnern Sie sich mal an wirklich erfolgreiche Projekte in ihrem Leben. Es können berufliche oder auch private Projekte sein.

Beantworten Sie sich nun die Fragen: Was hat zum Erfolg beigetragen? Was war anders in diesem Projekt, was war besonders? Wie sind Sie in diesem Projekt mit Hindernissen, Fehlern, Rückschlägen umgegangen?

Wenn Sie sich Zeit genommen haben, diese Fragen zu beantworten und sie vielleicht etwas aufgeschrieben haben, dann steht auf Ihrem Zettel bestimmt so etwas wie: „Leidenschaft“, „Man hat kommuniziert, miteinander gesprochen“, „Jeder wusste, was zu tun war“, „Man konnte sich auf die Anderen verlassen“, „Man war konzentriert bei der Arbeit“. Wie von alleine purzeln die Scrum-Werte: MutFokusCommitment (Engagement), Offenheit und  Respekt heraus, wenn man über erfolgreiche Projekte spricht. Bei Projekten im unternehmerischen Kontext werden diese Werte oft als Luxus betrachtet, obwohl wir wissen, welche Kraft sich daraus entwickeln kann.

Hilfe zum Umdenken

Erfolgreiches Scrum erfordert in vielen Bereichen der Softwareentwicklung ein Umdenken: Entwicklung von Produktinkrementen anstatt von Komponenten, Qualitätssicherung einbauen, anstatt Testphasen anhängen, Bedürfnisse formulieren anstatt Anforderungen, Vertrauen ins Team, statt Kontrolle, Teamarbeit anstatt Einzelkämpfer. Zudem gibt es die fachlichen Fragen, z. B. zum richtigen Schnitt und zur richtige Formulierung von User Stories und Akzeptanzkriterien und vieles Weitere zu klären.

Wer kümmert sich um den „Rest“?

Wenn man mit Scrum erfolgreich sein will, darf man sich nicht nur auf die reine Scrum-Mechanik beschränken: Erst der ganze Rest, wie Teambuilding und Teamentwicklung, Vertrauen, Respekt, Leidenschaft und Transparenz ermöglichen es den Scrum-Teams hochproduktiv bessere Produkte zu entwickeln.

Zu den Aufgaben eines Scrum Masters gehören also neben den fachlichen Scrum-Themen Fragen auch die Entwicklung dies ganzen „Restes“.

Und dafür ist ein Scrum Master in Vollzeit vor Ort eine sinnvolle Team- und Projektbegleitung.

Der Autor

Klaus Troche ist Agile Coach, Scrum Master und überzeugter Change Agent. Mit seiner ruhigen und entspannten Art begleitet er Teams bei ihren Veränderungsprozessen zielorientiert und immer auf Augenhöhe. Diese Ruhe trainiert er insbesondere beim Klettern und Bouldern.